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Adipositas – ein interdisziplinäres Behandlungskonzept in der Mutter-Kind- und Vater-Kind-Reha

Statistiken zeigen, dass die Zahl übergewichtiger und adi­pöser Erwachsener und Kinder ständig steigt. Es ist erwie­­sen, dass Übergewicht und Adipositas in der Bundes­repu­blik Deutschland zu den häufigsten Ursachen ernster Gesund­heits­probleme gehören. Folgen sind oft somatische Erkrankungen, insbesondere des Herz-Kreislauf-Systems mit erhöhtem Blutdruck und Schlag­anfall- bzw. Herzinfarktrisiko oder Stoffwechselerkrank­ungen, vor allem Diabetes. Diese soma­tischen Erkrankungen gehen meist mit psychischen Beeinträchtigungen einher. Über­gewicht und Adipositas haben in der Regel eine Reihe von Ursachen.

In der Rehaklinik Feldberg werden sie seit Jahren erfolgreich im Rahmen der Mutter-Kind- bzw. Vater-Kind-Rehabilitation initial behandelt, d.h. es wird eine nachhaltige Veränderung krankmachender Lebens­gewohn­heiten eingeleitet. Der sta­tio­näre Aufenthalt bietet die Möglichkeit, die alltäglichen Ver­hal­tensweisen und Belastungen hinter sich zu lassen, um sich in einer neuen Umgebung mit dem bisherigen Verhalten auseinander zu setzen und sich eine neue, gesündere Lebensweise zu eigen zu machen, die nach der Maßnahme in den Alltag der Patientinnen und Patienten und ihrer Kinder integriert werden kann.

Bei der Behandlung nach einem speziell entwickelten inter­dis­ziplinären Konzept unterscheiden wir zwischen über­gewich­tigen Patienten mit und ohne Essstörungen. Die nach­hal­tige Behandlung dauert mehrere Jahre.

Liegt eine Ess­störung vor, so können Übergewicht und Adiposi­tas nicht ohne begleitende Psychotherapie der Essstörung be­han­delt werden. Auch wenn keine krankhafte Essstörung vor­liegt, sind die komplexen Ursachen von Übergewicht und Adipositas oft mit psychischen Problemen verbunden. Die Patienten können dann ebenfalls an psycho­therapeutischen Gruppensitzungen teilnehmen.

Stationäre Mutter- oder Vater-Kind-Rehabilitation ist eine ideale Möglichkeit zur initialen Behandlung, in der die Mütter und Väter in Ruhe individuell beraten werden, um die bestmögliche Behandlungsart für sich oder ihre über­gewichtigen Kinder zu finden und die Weiterbehandlung am Wohnort gut vorzu­bereiten. Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Ge­wichts­abnahme bzw. Stabilisierung bereits während der Maß­nahme ist, dass sie wirklich und aus sich heraus entschlossen sind, durch Hilfe zur Selbsthilfe ihr Gewicht zu reduzieren und ihre Lebensweise zu verändern.

Diagnostik

 

Im Rahmen der medizinischen Eingangsuntersuchung wird nach einer körperlichen Untersuchung folgendes erfasst:

  • das aktuelle Körpergewicht und der Body-Mass-Index (BMI - der Quotient aus Gewicht und Körpergröße im Quadrat:kg/m2)
  • die Krankengeschichte
  • Gesundheitsstörungen, die mit dem Übergewicht im Zusammenhang stehen
  • somatische (körperliche)Auswirkungen von bisherigen Versuchen von Gewichtsreduktion/Fasten
  • alle eingenommenen Medikamente.

In einer ausführlichen psychosozialen Anamnese werden des­weiteren aufgenommen:

  • die individuelle Motivation zur Gewichtsveränderung
  • die allgemeine psychische Befindlichkeit
  • begleitende wichtige Faktoren des Lebensstils wie Stress, Lebensweise, Beruf, Alkohol- oder Drogenkonsum und soziale Faktoren
  • in der Vergangenheit durchgeführte diätetische Maß­nahmen und deren Erfolge.

 

 

Indikation

 

Die Indikation zur initialen Behandlung von Übergewicht und Adipositas in unserer Klinik ist grundsätzlich gegeben, wenn

  • der Body-Mass-Index > 30 (kg/m²) beträgt
  • bei einem Body-Mass-Index zwischen 25 und 29,9 (kg/m²) übergewichtsbedingte Gesundheitsstörungen oder ein abdominales Fettverteilungsmuster oder Erkrankungen vorliegen, die durch Übergewicht verschlimmert werden
  • bei einem Body-Mass-Index zwischen 25 und 29,9 (kg/m²) ein erheblicher psychosozialer Leidensdruck besteht.

Therapie

 

Wissenschaftliche Untersuchungen der Deutschen Adipositas Gesellschaft haben gezeigt, dass die Ursachen von Übergewicht und Adipositas nach gleichzeitigen, inein­ander­greifenden therapeutischen Maßnahmen verschiedener Bereiche wie Ernährung, Bewegung, Medizin und Psycho­therapie bzw. psychologischer Beratung verlangen.

Um die Ernährungsgewohnheiten positiv zu verändern, wird in der Lehrküche Wissen über eine fettarme, kohlen­hydrat- und pro­tein­bilanzierte, vitamin-, mineral- und ballast­stoffreiche Er­näh­rung vermittelt; bei Bedarf werden die Patienten indi­viduell beraten. Des Weiteren wird eine selbst­be­stimmte Ernährungs­umstellung auf eine kalorien­reduzierte Mischkost angeboten und unter Anleitung einer Ernährungsberaterin praktisch ein­ge­übt. Ein von den Frauen bzw. Männern über eine Woche hin­weg geführtes Ernährungs- und Bewegungstagebuch soll außer­dem Hilfe beim Erkennen von Fehlernährung und falschem Essverhalten geben.

Häufig ist auch Bewegungsmangel Ursache für die Entstehung oder Aufrechterhaltung von Übergewicht und Adipositas. Im Rahmen der Bewegungstherapie wird der Energieverbrauch der Patienten durch leichtes körperliches Ausdauer- und Kraft­training gesteigert. Die landschaftlich reizvolle Umgebung und haus­eigene Einrichtungen wie das Bewegungsbad und der Gerä­te­trainingsraum bieten Möglichkeiten, die therapeutischen Ange­bote durch Training in eigener Initiative zu ergänzen.

Im Gesprächskreis „Leichter leben“ erhalten die Patien­ten unter therapeutischer Anleitung Gelegenheit, sich ihrer psychosozialen Anamnese bewusster zu werden und sich darüber auszutauschen. Das dient dazu, die Motivation zu erhöhen, die krank machende Lebensweise zu ändern, ohne durch Diäten in die Falle des Jojo-Effektes zu geraten.

Im medizinischen und psychologischen Bereich wird auch be­son­derer Wert auf die Wissensvermittlung gelegt. Themen sind z.B.

  • Gesund­heitsstörungen, die mit dem Übergewicht einhergehen
  • wie Dauerstress den Stoffwechsel verändert
  • weswegen extreme und einseitige Diäten den Jojo-Effekt zur Folge haben

Mit Hilfe von wöchentlichen Gewichtskontrollen wird der Erfolg überprüft.

Die Behandlung wird von einem interdisziplinären Team aus Ärztin, Fachkraft für Ernährung, Fachkraft für Kinderernährung, Physiotherapeutin, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Psycho­login, Sozial­päda­gogin und Sporttherapeuten durchgeführt.

Am Ende der Mutter- oder Vater-Kind-Rehabilitation fin­det ein abschließendes Einzelgespräch statt, in dem Weiterbehand­lungs­möglichkeiten besprochen und vorbereitet werden. Mög­lich sind z.B. die Überweisung an Hausarztpraxen mit Schwer­punkt Adipositas-Behandlung, die Belegung von Kur­sen der örtlichen Ernährungs­beratungs­stellen bzw. der Kranken­kas­sen, die inzwischen neben der Ernährungsberatung auch Kurse zum Bewegungstraining anbieten, und bei Bedarf psycho­the­ra­peutische Behandlung am Wohnort. Die Empfeh­lungen wer­den im Abschlussbericht an die einweisenden Ärzte weitergegeben.

Indikationen für die Reha Adipositas

Adipositas tritt oft zusammen mit anderen Gesundheits­störungen auf, die in der Rehaklinik Feldberg ebenfalls behandelt werden:
- Psychische und psychosomatische Störungen, z.B. Depression
- Erkrankungen des Bewegungsapparates