Mutter-Kind-Klinik Schwabenland
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Interaktionsstörungen

Vorsorge und Rehabilitation für Mutter und Kind in Dürmentingen

Immer mehr Familien leiden unter den hohen Anforderun gen, die der Alltag stellt. Berufsstätigkeit, Erziehung, Hausarbeit, Sozialkontakte sowie anderweitige Aktivitäten aller Familienmitglieder unter einen Hut zu bekommen, ist meist ein Kraftakt. Kommen weitere Belastungsfaktoren hinzu, dann entstehen oft chronische oder psychosomatische Krankheiten oder sie werden verstärkt.

Hier setzt die ganzheitliche, multimodale Therapie in der Mutter-Kind-Klinik Schwabenland an. In der stationären Vorsorge und Rehabilitation für Mutter und Kind bzw. Vater und Kind bietet ein interdisziplinäres Team indi kations- gerechte Therapien. Besonders spezialisiert hat sich die Klinik auf die Behandlung von emotionalen Störungen und psychischen und psychosomatischen Krankheiten.

Ein einzigartiges Angebot ist der zur Klinik gehörende Therapiebauernhof Burgau. Hier spielen Tiere bei der therapeutischen Arbeit eine äußerst positive Rolle. Auf dem Therapiebauernhof sind sie nicht nur zum Streicheln da. Die Kinder werden in die Pfl ege eingewiesen und übernehmen Verantwortung. Die Arbeit im Stall und auf dem Hof, die sprichwörtliche frische Landluft, der Kontakt mit den Tieren und den anderen Kindern - all das gibt die Rahmenbedingungen für erfolgreiche Therapie.

Natürlich ist auch die Umgebung attraktiv. Dürmentingen liegt in der reizvollen oberschwäbischen Landschaft am Fuße des Bussen. Die Klinik ist auf neuestem Stand, umfangreiche Modernisierungsarbeiten wurden erst kürzlich abgeschlossen. Großzügige, wohnliche Familienappartements gehören ebenso zum Standard wie Schwimmbad, Sauna, Kinderspielplätze, Kinderspielhaus, Lehrküche und vieles mehr.

Die Therapie von Interaktionsstörungen in der Mutter-Kind-Reha

Wenn Eltern krank sind, ist das Verhältnis zu den Kindern oft angespannt, gestört oder es zerbricht. Solche Interaktionsstörungen werden schnell zu einer weiteren Belastung für die Mutter oder den Vater, sie verschärfen die Krankheit (oder sind eine wichtige Ursache gewesen). Eine multimodale Therapie der ursprünglichen Indikation setzt deshalb immer auch an der Bearbeitung und Verbes serung der Eltern-Kind-Interaktion an. Die Therapie von Interaktionsstörungen in der Reha oder Vorsorge in der Klinik Schwabenland ist deshalb ein wichtiger Baustein einer erfolgreichen Behandlung.

Interaktionsstörungen machen sich während der Mutter-Kind-Reha in der Regel schnell bemerkbar. Die pädagogischen und therapeutischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik achten sorgfältig auf alle Hinweise. Teilweise wird die gestörte Eltern-Kind-Beziehung schon im Aufnahmegepräch thematisiert oder vom Hausarzt im Reha-Antrag vermerkt.

Ist das Verhältnis zu den Kindern gestört, zeigt sich das in typischen Verhaltensmustern: Unsicherheit und Inkonsequenz im täglichen Umgang, fehlende Feinfühligkeit, keine, unklare, unpassende oder übertriebene Verein barungen und Konsequenzen sind an der Tagesordnung. Häufig entgleisen Situationen, es kommt vermehrt zu impulsivem Verhalten, Verärgerung oder Frustration. Auch Zurückgezogenheit und scheinbar eher geringe Interaktion werden beobachtet.

Bei den Kindern und Jugendlichen sehen wir häufig überaktive, freche, ungehorsame und impulsive Verhaltensweisen, die das gemeinsame Miteinanderstören.

Aufnahmeindikationen

Interaktionsstörungen liegen besonders oft im Zusammenhang
mit diesen Aufnahmeindikationen vor:

  • affektive Störungen, häufi g Depressionen
  • neurotische Störungen, z.B. Angststörungen
  • Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, z.B. Trennungen, Schicksalsschläge, Missbrauch
  • somatoforme Funktionsstörungen, z.B psychosomatische Herz- oder Magen-Darmbeschwerden

Aufnahmeindikationen für Kinder:

  • Entwicklungsstörungen, z.B. sprachlicher, schulischer und motorischer Art
  • Emotionale und Verhaltensstörungen, z.B. Trennungsangst, AD(H)S, Störungen des Sozialverhaltens

Kinder psychisch kranker Eltern sind eine besondere Risikogruppe im Hinblick auf die Entwicklung von psychischen Störungen. Zum einen ist dies durch genetische Einflüsse zu erklären. Zum anderen kann das elterliche Verhalten im Umgang mit dem Kind krankheitsbedingt eingeschränkt sein. Weitere Faktoren umfassen die in Familien mit erkranktem Elternteil erhöhten psychosozialen Belastungen, es besteht außerdem ein erhöhtes Risiko für Misshandlungen (Mattejat, Remschmidt 2008).

Eine Vorsorge- oder Rehamaßnahme bietet die Möglichkeit, Negativkreisläufe zu durchbrechen. In der Unterbrechung und dem Hinterfragen des bisherigen Lebensweges liegt die Vision, die Interaktion zu verändern und zu verbessern sowie den Alltag auf Gesundheit und Wohlbefinden auszurichten.

Das Ziel ist ein emotional herzliches, zugewandtes Erziehungsklima mit festen und klaren Verhaltensregeln, Stärkung von Selbstvertrauen und positivem Selbstwertgefühl bei Müttern (bzw. Vätern) und Kindern, die Verbesserung der Problemlösefähigkeit und der Kommunikationsstruktur. Es geht darum, die Mechanismen der gestörten Interaktion zu begreifen und Wege aus dieser Krise zu finden. Dazu ist nötig:

  1. Die Art und Weise der eigenen auffälligen Interaktion mit dem Kind wahrzunehmen.
  2. Die eigenen problematischen Verhaltensweisen zu erkennen (z.B. unklarer Kommunikationsstil) und Belastungsfaktoren mit einzubeziehen (z.B. eigene psychische Erkrankung).
  3. Durch Supervision und Reflexion mit Fachkräften Schlüsse zu ziehen für Veränderungen und für den Transfer in das weitere häusliche Leben.
  4. Entspannung zuzulassen und zu erlernen.

Je nach Indikation und Diagnostik wird für Mütter und Kinder (falls erforderlich) ein individueller Therapieplan mit medizinischer Behandlung und Beratung, psychosozialer Betreuung, Physiotherapie usw. erstellt. Im folgenden beschreiben wir die über die indikationsgerechte Therapie der Aufnahmeindikationen hinausgehenden

Besondere Therapieverfahren auf dem Therapiebauernhof Burgau

Gezielte Angebote zur Verbesserung der Interaktion gibt es auf unserem Therapiebauernhof Burgau. Beim Modul Mutter-Kind-Interaktion (Kinder ab 7 Jahren) verbringen die Mütter mit ihrem Kind einen Nachmittag mit vertrauensbildenden Spielen, tiergestützten Erlebnissen und erlebnispädagogischen Angeboten (z.B. Sumpfüberquerung, Himmelsleiter oder Kletterwand).

Bei diesen Angeboten werden Problemkonstellationen schnell sichtbar. Therapieeffekte sind die Vertiefung von gegenseitigem Vertrauen und Achtung, die Intensivierung des Körperkontaktes und Freude daran, gemeinsam viel Spaß zu haben. Ein entspannterer Umgangsstil, ein besseres Verständnis füreinander und eine bessere Kommunikation sind das Ergebnis.

Ist die Interaktionsstörung bereits ausgeprägt, wird pädagogische Intervention angeboten. Mutter und Kind müssen dabei unter Anleitung und Supervision durch einen pädagogischen Mitarbeiter eine besondere Aktion durchführen.

Ein Beispiel hierfür ist der Tierspaziergang mit dem Esel: das Tier benötigt viel Sicherheit, die man durch klare Führung und Ansprache erreichen kann. Bei unsicherer Führung verwandelt sich der gutmütige Esel in den sprichwörtlichen "sturen" Esel. Das heißt, der Esel übernimmt selbst die Führung, geht seinen eigenen Weg und stört den Ablauf der Tierwanderung.

Die Bedürfnisse eines Kindes sind denen eines Esels sehr ähnlich. Ohne Führung, Sicherheit und klare Grenzziehung beginnt das Kind nach solchen Strukturen zu suchen. Es verhält sich aus der Unsicherheit heraus auffällig, nicht den gesellschaftlichen Normen entsprechend. Dies kann das Familienleben so stark negativ beeinflussen, dass es bei den Müttern und Vätern zu Erkrankungen kommen kann, wie z.B. Depressionen, Ängsten, Erschöpfungszuständen und somatischen Störungen.

Gemeinsam mit der Pädagogin wird der Tierspaziergang auf-gearbeitet. Es wird verdeutlicht, dass das Tier das Verhaltens-muster innerhalb der Familie widerspiegelt.

Auch im medizinisch-therapeutischen Team werden die Ergebnisse besprochen, sie fließen in die weitere Therapie ein. Ungünstige Interaktionsmuster werden weiterhin identifiziert und modifiziert.

Dadurch ist ein Transfer der Erkenntnisse für die Eltern in ihr alltägliches Leben möglich und die Maßnahmen entfalten so ihre therapeutische Wirkung hinsichtlich einer dauerhaften Verbesserung der Mutter-Kind-Interaktion.