Mutter-Kind-Klinik Saarwald
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Anerkannt hohe Qualität In der Behandlung unserer Patientinnen und Patienten.

Zurück ins Leben

Ein Fallbeispiel

Der Hausarzt hat Frau D. die Rehamaßnahme empfohlen, da sie seit 10 Monaten über starke Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit klagt. Ein Antidepressiva hat nur bedingt geholfen, die Dosis musste zuletzt noch erhöht werden. Die Einweisungsdiagnose: mittelgradige depressive Episode. Frau D. wird begleitet von ihrem 5-jährigen Sohn, der unter einem Down-Syndrom leidet, und der Tochter (2,5 Jahre).

Nach der Geburt des behinderten Sohnes war Frau D. zunächst geschockt, hat sich jedoch schnell mit der besonderen Lebenssituation arrangiert. Dennoch machte sie sich insgeheim Selbstvorwürfe. Sie ist für die Therapien des Kindes vorwiegend allein verantwortlich, da der Ehemann viel arbeitet. Frau D. ist zudem halbtags als Bürokraft beschäftigt.

Knapp zwei Jahre später entschieden sich die Eheleute für ein zweites Kind – mit dem die Stressbelastung weiter zunahm.Zu ihrem Hobby Malen und zu Kontakten mit ihren Freunden konnte sich Frau D. immer seltener aufrappeln. Sie vergaß Dinge und lag nachts lange wach. Sie kontaktierte den Hausarzt, der eine beginnende Depression feststellte und ein Antidepressivum ansetzte.

In der Klinik zieht sich Frau D. zunächst zurück. Ihre Tischnachbarin überredet sie jedoch, mit zu den Therapien zu kommen. In der Depressionsbewältigungsgruppe lernt Frau D. ihre Erkrankung verstehen, beginnt ein Stimmungsprotokoll zu führen und erkennt, dass sie immer dann mit Rückzugsverhalten reagiert, wenn sie sich nicht traut, Missstände auszusprechen. In der sozialen Kompetenzgruppe lernt sie, eigene Bedürfnisse auszusprechen, Forderungen abzulehnen und sich stärker abzugrenzen. Sie führt noch in der Klinik ein Telefonat mit ihrem Mann, in dem sie ihre Belastungssituation erklärt. Er zeigt zu ihrer Verwunderung großes Verständnis und gemeinsam planen sie eine Haushaltshilfe einzustellen.

Die Teilnahme an der Selbstverteidigungsgruppe und am Yoga tut ihrem Selbstwertgefühl ebenfalls sehr gut. In einem psychologischen Einzelgespräch werden die Selbstvorwürfe wegen des Down-Syndroms des Sohnes thematisiert und Frau D. erkennt die Unangemessenheit ihrer Schuldgefühle. In besserer Stimmung verspürt sie zunehmend Lust, sich körperlich zu betätigen und steigt in der Nordic-Walking-Gruppe und im Bauch-Beine Po-Kurs ein.

Die beiden Kinder fügen sich sehr gut in die Kinderbetreuungsgruppem ein. In der Ergotherapie und der Logopädie macht der 5-jährige Sohn enorme Fortschritte.

Als Frau D. nach Hause fährt, hat sie sich eine neue Frisur gegönnt und war bei einer Kosmetikerin. Sie möchte mit ihrem Arzt sprechen und das Antidepressivum schrittweise reduzieren.

Die Therapie von Depressionen in der Mutter-Kind-Kur

Die Symptome von Depressionen gehen weit über normale Traurigkeit oder Niedergeschla- genheit hinaus: selbst angenehme Ereignisse machen keine Freude, Freunde und Hobbies interessieren die Betroffenen nicht mehr, sie ziehen sich in ihr "Schneckenhaus" zurück und vermeiden den Kontakt mit anderen. Müdigkeit, Lustlosigkeit und fehlender Antrieb verhindern spontane Aktivität. Hinzu kommen oft quälende Schuldgefühle und die Überzeugung, alles falsch zu machen. Eine ungewohnte Vergess- lichkeit begleitet die Depression, die Patienten können sich kaum auf etwas konzentrieren. Ein Ausweg ist nicht in Sicht, der Sinn des Lebens geht verloren und Selbstmordgedanken entste- hen. Auch körperliche Beschwerden können das Krankheitsbild mitbestimmen: Schlafschwierigkeiten, Appetitlosigkeit, Verspannungen, innere Unruhe, Schmerzen und Libidoverlust.

Ursache von Depressionen ist in der Regel eine Kombination mehrerer Faktoren: belastende Lebensereignisse, negative Erfahrungen, familiäre Probleme, zu hohe und zu lange andauernde Stressbelastung ohne ausreichende Regeneration ? und vielleicht auch eine vererbte Anfälligkeit für dieses Störungsbild ? können gemeinsam zum Ausbruch der Erkrankung führen. Etwa 10 % der Bevölkerung in Deutschland hat eine behandlungsbedürftige Depression, knapp ein Fünftel hat mindestens eine depressive Phase im Leben. Einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge werden Depressionen im Jahre 2020 nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit die häufigste Krankheit überhaupt sein.

Die Auswirkungen für die Betroffenen können beträchtlich sein. Verlust sozialer Kontakte, Isolation, Beeinträchtigung der Partnerschaft und des Familienlebens, Arbeitsplatzverlust und Selbstmordhand- lungen sind mögliche Konsequenzen. Häufig reagiert das Umfeld erst einmal unterstützend, gibt jedoch bald frustriert auf. Oft stoßen die Betroffenen ohnehin von vornherein auf Unverständnis.

Therapieziel

Zur erfolgreichen Therapie von Patientinnen und Patienten mit Depressionen arbeiten wir nach einem eigenen Behandlungs-konzept, das auf die individuellen Bedürfnisse der Mutter bzw. des Vaters und der Kinder abgestimmt ist. Sie lernen, ihre Probleme zu verstehen und zu bewältigen und zurück zu einem aktiven Leben zu finden. Medikamente sollen so wenig wie möglich eingenommen werden.

Diagnostik

Grundlage der Diagnostik ist eine umfangreiche Anamnese unter Berücksichtigung der Vorbefunde. Gegebenenfalls werden psychologische Tests (z.B. Beck-Depressionsinventar) durchgeführt.

Therapieangebote

Die Mutter-Kind-Klinik Saarwald verfolgt einen ganzheitlichen, biopsychosozialen Ansatz. Im Rahmen der Therapie bei Depressionen werden die folgenden Angebote kombiniert:

Prävention:

  • Die Patienten lernen, die ersten Anzeichen einer Depression wahrzunehmen und frühzeitig nach ihrem individuellen Notfallplan entgegenzuwirken.

  • Bewegungs- und Entspannungsangebote wirken der inneren Grundanspannung entgegen und sind sehr wirkungsvolle Stresskiller.

  • Hintergrundprobleme, zum Beispiel Abgrenzungsschwierigkeiten in der Familie oder anhaltende Überforderungs-tendenzen, werden in Einzelgesprächen beleuchtet und Lösungswege erarbeitet.

Bewältigung:

  • Die Patienten lernen, einen Stimmungskalender zu führen um die eigene Problematik zu verstehen.

  • In der Depressionsbewältigungsgruppe vermitteln wir Grundlagenwissen über Depressionen und Techniken der Bewältigung.

  • Sofern die Depression ängstlich getönt ist, werden in der Angstbewältigungsgruppe zusätzlich Kenntnisse über Entste-hung und Bewältigung von Ängsten vermittelt.

  • Die Stressbewältigungsgruppe informiert über schädliche Auswirkungen von Stress, es werden gemeinsam effektive Stressbewältigungsstrategien erarbeitet.

  • Bewegung ist ein "Antidepressivum". Durch körperliche Aktivität werden Stresshormone abgebaut und die Endor-phinproduktion angekurbelt. Unser Sportprogramm um-fasst Frühsport, Nordic-Walking, Bauch-Beine-Po, Pilates, Yoga, Qi-Gong, Selbstverteidigungskurse, Rückenschule, Fitness-Gerätetraining.

  • Die Patienten lernen innere, oft mit Depressionen einher-gehende, Spannungszustände mit Entspannungstechniken wie Autogenem Training, Progressiver Muskelentspannung, Tiefenentspannung oder Meditation effektiv abzubauen. Bewegungs- und Entspannungsangebote wirken sich darüber hinaus positiv auf den häufig gestörten Schlaf aus.

  • In den Kreativkursen werden Ressourcen der Patienten gezielt gefördert und ausgebaut.

  • In der Gesprächsgruppe "Soziale Kompetenz" wird gezielt auf Abgrenzungsschwierigkeiten eingegangen.

  • Die sozialen Kontakte unter den Patienten wirken sich positiv auf die Selbstwahrnehmung aus und schaffen Möglichkeiten für positives Feedback.

  • In der Gestaltungstherapiegruppe bietet sich die Möglichkeit, über einen kreativen, handlungsorientierten Weg, Zugang zu inneren Prozessen und Gefühlen zu finden und einen individuellen Umgang damit zu entwickeln.