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"Mütter sind wichtiger als Väter" – dieser Aussage ist längst die wissenschaftliche Basis entzogen. Aus psychosozialer Sicht ist die Frage, ab wann der Vater für das Kind wichtig ist, längst beantwortet: von Anfang an.

 

Auch die Rolle der Väter in der Gesellschaft hat sich stark gewandelt. Immer mehr Männer engagieren sich im Haushalt und in der Kindererziehung, sind nicht mehr der klassische "Ernährer der Familie", der wenig zur häuslichen Alltagsbewältigung beiträgt. Männer übernehmen Erziehungsverantwortung – auch alleinverantwortlich. Da durch sind sie, genau wie Mütter, Mehrfachbelastungen aus gesetzt, die bekanntermaßen zu rehabilitationsbedürf tigen seelischen und körperlichen Störungen führen können.

 

Zu den multiplen Belastungsfaktoren des Alltages kommen außerdem Rollenkonfl ikte, die mit den neuen Aufgaben und deren Widerspruch zum tradierten Männerbild entstehen; auch sie stören das psychische Gleichgewicht. Väter müssen ihre Rolle in der Familie und der Gesellschaft fi nden und sind dabei auf sich allein gestellt, denn bisher gibt es kaum Unterstützung durch Beratungsstellen, Selbst hilfe gruppen o.ä. In einer Vater-Kind-Kur in der Klinik Borkum werden Väter psychisch und physisch gestärkt, gesundheitliche Störungen werden rehabilitiert und die Männer werden bei einer lebenswegweisenden Defi nitionsfi ndung ihrer Rolle im Alltag unterstützt. Grundlage ist ein geschlechtss pezifi scher, d.h. auf die Rolle des Mannes und des Vaters fokussierter ganzheitlicher Therapieansatz; denn: Männer sind „anders“ krank als Frauen, haben eine unterschiedliche Auffassung von Gesundheit und Krankheit und gehen auf eine spezielle Art und Weise mit psychischen und physischen Beschwerden um.

Indikationen

  • Burn-out
  • Psychische Störungen wie reaktive Depression und Angststörungen
  • Körperliche Beschwerden mit psychischer Beteiligung, z.B. Magen-Darm-Störungen, Spannungskopfschmerzen
  • Atemwegserkrankungen (z.B. rezidivierende Infekte, Asthma)
  • Muskel-Skelett-Erkrankungen
  • Hauterkrankungen

Behandlungsgrundsätze

 

Die Therapie von psychosomatischen und psychischen Krankheiten lässt sich einfacher und intensiver unter klinischen Bedingungen gestalten als unter häuslichen, zum Teil krank machenden Umständen. Im Vordergrund steht:

  • Einen gesunden Umgang mit Leistung erarbeiten
  • Sensiblere Wahrnehmung eigener psychischer und physischer Grenzen
  • Lösungsorientiertes und positives Bewerten und Denken (wieder-) erlangen
  • Definition der eigenen Rolle in Gesellschaft und Familie
  • Förderung der Vater-Kind-Interaktion sowie der Erziehungskompetenz

Diagnostik und Therapie

 

Nach umfangreicher medizinischer Diagnostik sowie einer sorgfältigen Sozial- und Familienanamnese wird der Therapieplan festgelegt. Das multimodale Therapiekonzept beinhaltet dabei folgende Faktoren:

  • Die diagnostizierte Erkrankung behandeln
  • In systemischen Einzeltherapien lernen, den energieraubenden aktuellen oder chronischen Konfl ikt auf den Lebenszusammenhang zu begrenzen und Lösungsansätze zu finden
  • Blockierte Emotionalität zu lösen
  • In themenzentrierter Gruppenarbeit und Gesprächskreisen Techniken zur Problemlösung erlernen
  • Wahrnehmung, Einhaltung und Festlegung eigener psychischer und physischer Leistungsgrenzen
  • Bestimmung der Rollen als Vater und Lebenspartner
  • Erfahrungs- und Informationsaustausch für allein erziehende Väter

Das Therapieprogramm umfasst auch Schulungen und Gespräche (z.B. über positive Erziehung, chronische Er krankungen). Besonders wichtig für die Männer ist, Entspannungstechniken zu erlernen und durch Körper wahrnehmung ein neues Gefühl für den Körper und seine Signale zu erlernen.

 

Krankengymnastik und Sporttherapie helfen, den Körper gesund heitlich zu stabilisieren, Verspannungen aufzulösen und Beschwerden zu lindern. Kreativität und Phantasie neu entdecken, positive Freizeitgestaltung, Förderung der Vater-Kind-Interaktion, Austausch mit anderen Patienten – auch dies trägt zum Reha-Erfolg bei.

 

In diesen therapeutischen Prozess der Neu- und Umorientierung kommt es insgesamt zu einer bio psycho sozialen Stabilisierung, die sich auf die ganze Familie auswirkt. Vorhandene Schädigungen werden positiv beeinfl usst und die Patienten werden dabei unterstützt, ein eigenständiges Leben zu führen.

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