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Rehabilitation und Prävention für Gehörlose - Neue Chancen für Mütter und ihre Kinder



Mutter-Kind-Klinik Zorge


Frauen – insbesondere Mütter – sind heute stark gefordert und oft überfordert. Dies führt immer häufiger zu chronischen Krankheiten und behand- lungsbedürftigen Störungen. Besondere Schwierig- keiten entstehen in Familien, bei denen die Mutter und/oder eines der Kinder gehörlos sind. Verstän- digungsschwierigkeiten mit der Umwelt gehören zum leidvollen Alltag (in der Regel steht keine ausgebildete Gebärdensprachedolmetscherin zur Verfügung). Besonders kompliziert ist zum Beispiel die Verständigung gehörloser Mütter mit den hörenden Kindern. Ein Wechselspiel eigener Verunsicherung und unbefriedigender Kommu- nikation ist vorprogrammiert, besonders wenn zusätzliche Belastungen durch eigene Krankheiten oder gesundheitlich beeinträchtigte Kinder entstehen. Um diesen Patienten zu helfen, haben wir dieses Therapiekonzept entwickelt. Bitte beachten Sie: Reha-Maßnahmen, während denen eine Gebärdensprachedolmetscherin zur Verfügung steht, haben feste Anfangstermine. Bitte fragen Sie in der Klinik nach.

Vorsorge und Rehabilitation in der Mutter–Kind–Klinik Zorge

Frauen sind in unserer Gesellschaft unterschiedlichsten Belastungen und zahlreichen Rollenkonflikten ausgesetzt: einen Beruf ausüben, parallel dazu Hausfrau und gute Mutter sein, Ehefrau, oft auch Pflegerin für kranke Angehörige – das fordert. Dazu kommen häufig noch soziale Probleme, finanzielle Schwierigkeiten und andere Lebenskrisen.

Gibt es dann noch weitere Einschränkung (zum Beispiel durch Gehörlosigkeit), brauchen Mütter und ihre Kinder Hilfe. Hilfe, die durch das interdisziplinäre Team in der Mutter-Kind-Klinik Zorge geleistet wird, so dass jede Frau und jedes Kind genau die Unterstützung bekommt, die in der individuellen Lebenssituation erforderlich ist.

Die Mutter-Kind-Klinik Zorge bietet spezifische Hilfe für gehörlose Frauen und Kinder, integriert in ein Konzept der Vorsorge und Rehabilitation für Mütter und Kinder bei Indikationen wie z.B. Neurodermitis, Atemswegserkrankungen, Angststörungen, psychosomatischen Erkrankungen und emotionalen Störungen. Neben der individuellen Behandlung wird mit speziellen therapeutischen Angeboten der Mutter-Kind-Beziehung besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Darüber hinaus werden sowohl Verständnis und Kontakte zwischen Gehörlosen, als auch zwischen Gehörlosen und Hörenden gefördert.

Indikationen

In der Mutter-Kind-Klinik Zorge werden aufgenommen:

Gehörlose Frauen mit gehörlosen Kindern
Gehörlose Frauen mit hörenden Kindern
Frauen mit Resthörvermögen, sowohl mit hörenden, als auch mit gehörlosen Kindern
Hörende Frauen mit gehörlosen oder resthörenden Kindern

Kinder können in der Regel im Alter von 1 bis 12 Jahren mitgebracht werden.

Darüber hinaus muss eine behandlungsbedürftige Störung bei der Mutter (und eventuell bei den Kindern) vorliegen. Hauptindikationen für die Rehabilitation in der Mutter–Kind–Klinik Zorge sind:

Neurodermitis
Angststörungen, soziale Ängste
Somatisierungsstörungen, psychosomatische Störungen
Adipositas
chronische Atemwegserkrankungen
emotionale Störungen und Störungen des Sozialverhaltens

Eine Indikation kann, muss aber nicht in unmittelbarem Zusammenhang zur Gehörlosigkeit stehen. Nach Rücksprache können wir auch Patientinnen mit anderen Indikationen aufnehmen.

Therapie

Der erste Schritt zur Therapie in der Mutter-Kind-Klinik ist die Auseinandersetzung mit der individuellen Situation der gehörlosen Patienten. Das beginnt bereits mit der Information der Klinik Zorge durch die Beratungsstellen, Ärzte und Therapeuten der Mutter und ihrer Kinder.

Nach einer ausführlichen Anamnese und Erhebung des körperlichen Befundes in der Einrichtung werden das medizinische Therapieziel und parallel dazu die Rehaziele definiert und mit der Mutter geklärt. Hierbei besteht erstmals auch Gelegenheit, den Informationsstand der Patientin zu ihrer Gesundheit zu überprüfen und bisherige Missverständnisse, die bei gehörlosen Müttern sehr oft vorhanden sind und die bis hin zu Fehldiagnosen gehen, auszuräumen.

Aus der Aufnahmeuntersuchung leitet sich dann der indivi-duelle Therapieplan ab, der von der Ärztin definiert und im interdisziplinären Team angepasst wird. Dieser umfasst als Basisprogramm die weitere medizinische Behandlung und Beratung, psycho- und sozialtherapeutische Einzelgespräche und Erziehungsberatung, offene und themenzentrierte Gruppengespräche, Kreativangebote und Interaktionsangebote für Mutter und Kind, die alle von einer Gebärdensprachedolmetscherin begleitet werden.

Der sozialtherapeutische Schwerpunkt im Rahmen dieses Basisprogrammes liegt in der Integration der Mutter und ihrer Kinder in die Gruppe. Die Begegnung mit anderen Frauen, die an ähnlichen oder auch anderen Problemen krank wurden, unterstützen den Prozess der Rehabilitation und bietet viele Chancen. Gezielte Mutter-Kind-Angebote sowie individuelle Angebote für das Kind werden in den Behandlungsplan aufgenommen.

Am Ende des Aufenthaltes ist die Vernetzung mit den ambulanten Strukturen ein wichtiges Anliegen. Es erfolgt eine Rückmeldung an die Hausärzte und an die Beratungsstellen vor Ort. Adressen von Selbsthilfegruppen werden der Frau mitgegeben.

Therapiekontrolle und Qualitätssicherung

Auch bei der Therapie von gehörlosen Frauen und Kindern gelten die für die Qualitätssicherung im Müttergenesungswerk vereinbarten Standards. Ausserdem wird die Behandlung von Gehörlosen von einer Gebärdensprachedolmetscherin begleitet, um eine Verständigung ohne Missverständnisse zu sichern. Desweiteren sind die Mitarbeiterinnen des Hauses geschult, den besonderen Problemen von Gehörlosen Rechnung zu tragen und haben einen Grundkurs in Gebärdensprache absolviert.

Familie W.

Frau W, 35 Jahre, wird von ihrer 6-jährigen Tochter Silke und ihrem Sohn Sebastian, 2 Jahre, zur Mutter-Kind-Rehabilitation nach Zorge begleitet. Schon bei der Ankunft fällt auf, dass Frau W sehr unter Druck steht. Sie schafft es kaum, ihre Kinder zur Ruhe zu bringen. Frau W ist von Geburt an gehörlos, beide Kinder hören.

Aus der Einweisungsdiagnose ist ersichtlich, dass Frau W neben Rückenproblemen und einem ausgeprägten Erschöpfungszustand an Diabetes mellitus erkrankt ist.

Bei der ausführlichen ärztlichen Eingangsuntersuchung unter Begleitung einer Gebärdensprachedolmetscherin stellt sich heraus, dass Frau W erschreckend wenig über ihre Diabeteserkrankung und deren Folgeschäden weiß. Ihre Blutzuckerwerte schwanken zwischen 200 und 400 mg%, sie spritzt sich Insulin mit Spritze und Kanüle. Auf Befragen teilt sie mit, dass die Verständigung mit ihrem behandelnden Arzt sehr schwierig ist, da keine Dolmetscherin während der Konsultation zur Verfügung steht.

In der Einzeltherapie mit der Sozialpädagogin am nächsten Tag wirkt sie abgekämpft und emotionslos. Sie schildert, wie minderwertig sie sich fühle, und dass sie Diabetes habe, den sie aber eigentlich nicht beachte. Ihre Tochter Silke sei häufig launisch und weigere sich dann, ihr als Dolmetscherin zu helfen. Mit ihrem kleinen Sohn käme sie besser zurecht.

Während ihres Aufenthaltes integriert sich Frau W gut in die Gruppe, sie genießt es, mit anderen Frauen zu kommunizieren. Besonders die Kreativtherapie tut ihr gut und fördert ihr Selbstbewußtsein. In Einzel- und Gruppengesprächen sowie gezielten Mutter-Kind-Angeboten erarbeitet sie ein besseres Verständnis für ihre Tochter, die mit sechs Jahren als Dolmetscherin für ihre gehörlose Mutter überfordert ist.

Auf Anordnung der Klinikärztin werden regelmäßig tägliche Blutzuckerkontrollen durchgeführt, die Insulingaben neu berechnet und Frau W mit einem PEN-Gerät und einem neuen Blutzuckermessgerät ausgestattet. Die Klinikärztin wird hierbei von einem Diabetologen unterstützt, der die Patientin ebenfalls individuell berät. Durch unsere Diabetesberaterin (DDG) erfolgt eine ausführliche Anleitung mit den Geräten, des weiteren eine gezielte diätetische Beratung. In weiteren Gesprächen mit der Ärztin wird Frau W über Folgeschäden bei falscher Insulingabe informiert. Diese Gespräche werden alle von unserer Gebärdensprachedolmetscherin begleitet.

In den Kontrolluntersuchungen zeigt sich eine deutliche Verbesserung des Blutzuckerwertes, daraus ergibt sich eine Verbesserung des Gesundheitszustandes. Frau W fühlt sich nicht mehr so erschöpft und ist nach eigenen Angaben erheblich leistungsfähiger.

Als Nachsorge wird der behandelnde Arzt von Frau W informiert und die Konsultation einer Facharztpraxis für Diabetes empfohlen. Außerdem wird Frau W eine Gebärdensprachedolmetscherin in der Nähe ihres Heimatortes empfohlen, die sie bei ihren Arzt-besuchen begleiten kann.

Aktuelle Informationen können Sie hier herunterladen.

Noch mehr Infos erhalten Sie direkt in unserer Klinik...

Mutter-Kind-Klinik Zorge
Schlesierstraße 34
37449 Zorge

Telefon 0 55 86/96 87-0
Telefax 0 55 86/9 68 76 87
eMail: Klinik.Zorge@kur.org

Patientenaufnahme: 0 55 86/96 87-0
Träger: Kur + Reha GmbH des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Landesverband Baden-Württemberg

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