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Neue Wege in der Therapie



Klinik Waldfrieden

Bei vielen Patientinnen, die an somatoformen Störungen leiden, hat das familiäre Umfeld erheblichen Einfluss auf die Krankheit. Die Familie kann die Erkrankung mit auslösen bzw. verstärken; sie kann sie aber auch kaschieren oder stabilisieren. Genauso entscheidend ist ihre Bedeutung im therapeutischen Prozess. Familienmitglieder können eine Behandlung verhindern oder erschweren, indem sie zum Beispiel immer weitere körperliche Untersuchungen anregen. Sie erleichtern eine Therapie, wenn sie die betroffene Patientin offen in einem psychotherapeutischen Prozess unterstützen und/oder sich selbst daran beteiligen. Denn häufig lässt sich feststellen: Die somatoforme Störung der Patientin (Mutter) ist Ausdruck eines gestörten oder stark belasteten Familiensystems. Hinter der einzelnen Symptom-Trägerin steht der „Patient Familie“ und bedarf der Therapie

Therapie-Ansatz

In der intensiven Behandlung in der Mutter-Kind-Klinik Waldfrieden erarbeiten wir mit der Patientin eine neue Sicht auf ihre Schmerzen und Beschwerden, Belastungen und Beeinträchtigungen. Mit Unterstützung des interdisziplinären therapeutischen Teams beginnt sie damit, sich und ihre Situation anders und angemessener wahrzunehmen und sorgsamer als bisher mit sich sowie kompetenter mit anderen umzugehen.

Das wird nur möglich sein, wenn ihre verschiedenen Symptome ganz ernst genommen werden, zugleich aber auf verschiedene Weise versucht wird, gemeinsam „hinter“ diese Symptome zu sehen und neue Weisen des Umgangs mit sich selbst und anderen zu finden und zu erproben.

Bei der Behandlung von Müttern mit somatoformen Störungen beziehen wir auch die belastende Lebenssituation in die Therapie mit ein. Begleitende Kinder, soweit sie diesem belastenden Kontext zuzurechnen sind, werden indikationsgerecht mitbehandelt. Ein individueller Therapieplan für Mutter und Kind/er wird gemeinsam mit der Patientin erstellt und laufend durch das interdisziplinäre Team überprüft und fortgeschrieben.

Häufig ist eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme der erste Schritt eines längeren, umfassenden Therapieprozesses. Gemeinsam mit der Patientin wird dieser in der Mutter-Kind-Klinik Waldfrieden vorbereitet, Kontakt zu ambulanten Therapeuten hergestellt und somit Hilfestellung weit über den Aufenthalt in unserer Klinik hinaus geleistet.

Therapeutisches Spektrum

Jede Mutter und jedes Kind erhalten in der Mutter-Kind-Klinik ein speziell auf ihre Situation abgestimmtes Behandlungsprogramm. Für Patientinnen mit somatoformen Störungen stehen alle Therapieangebote im Vordergrund, die einerseits die Auseinandersetzung mit der eigenen Erkrankung ermöglichen, die Selbstwahrnehmung unterstützen und die sozialen Kompetenzen stärken.Diese sind:

Arzt-Gespräche zur Pflege einer therapeutischen Beziehung und zur Öffnung für eine biopsychosoziale Sichtund eine interdisziplinäre (nicht nur medizinische) Behandlung
vorsichtige medikamentöse Unterstützung der Therapiezu Beginn (z.B. Antidepressiva, Anxiolytika)
Psychotherapeutische Einzelgespräche zum Aufbau von Veränderungsmotivation (Reduktion von Kontroll-verhalten; Abbau von Schonverhalten und anderen Vermeidungsstrategien, Analyse und Veränderung dysfunktionaler Kognitionen) und zur Stimulation der Selbstwahrnehmung (Gesprächstherapie, kognitive Ver-haltenstherapie, Focusing)
Psychotherapeutische Gruppengespräche (Erarbeitungeines realistischen Gesundheitsbegriffs; Förderung deskonkordanten Ausdrucks von emotionalem Befinden;Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit und dersozialen Kompetenz)
kinderpsychologische Beratung - falls indiziert, mit videounterstützter differenzierter Analyse der Mutter-Kind-Interaktion
familientherapeutische Beratungsgespräche (familiäreDynamik, Realitätskonstrukte, Interaktionsmuster, Regeln; Erziehungshaltung; eigene Kindheitserfahrungen;Überforderung und Schuldgefühle; Ressourcen erschließen)
familientherapeutische Mutter-Kind-Gespräche
Angeleitete Übungen zur Entspannung und Selbstwahr-nehmung (Phantasiereise, Autogenes Training, Progressive Muskel-Relaxation, Focusing)
Offene Gesprächskreise „Mein Kind und ich“, „TrübeTage aufhellen“, „Positives Denken“, „Stressbewältigung“u.a.m.
Selbstsicherheitstraining (Nein-Sagen, Wünsche und For-derungen äußern, Kritik äußern)
kunsttherapeutische Behandlung (Selbstwertgefühl, Kör-perbild, „unzugängliche“ traumatische Erfahrungen oderKonflikte); auch gemeinsam mit Mutter und Kind(Mutter-Kind-Interaktion)
Kreativ- und Gestaltungstherapie, um zu entdecken, wasgut tut und Freude macht
physiotherapeutische Be-„Hand“-lung als Beitrag zu einerpositiven Körperwahrnehmung (z.B. Massagen, Bäder,Kneipp‘sche Anwendungen, Fußreflexzonen-Massage)
analgetisch wirkende physiotherapeutische Anwendungen (z.B. Heublumensack, Wickel)
Anleitung zur Mutter-Kind-Massage
angeleitete Bewegungsangebote als Formen, sich selbstGutes zu tun und zur Förderung der Selbstwahrnehmung (Gymnastik, Tanz, Frühsport, Schwimmen, Wandern usw.)
Ernährungsberatung
heilpädagogische Behandlung für Kinder (einzeln oderin Gruppe)
je nach Indikation des Kindes: Einzelförderung (Motorik, Konzentration, Entspannung, Wahrnehmung...)
Spielkreis für Mütter und Kinder gemeinsam

Therapeutische Ziele

Stationäre Rehabilitation in der Mutter-Kind-Klinik Waldfrieden hat zum Ziel:

der Patientin die Sicherheit zu geben, dass ihre Symptomeund sie selbst ernst genommen werden und ihre medizinische Versorgung gewährleistet ist;
die Patientin vom Alltag (Beruf, Haushalt, Kinderbetreuung, Partnerkonflikte u.a.) weitgehend zu entlasten;
die ganzheitliche Wahrnehmung (z.B. Körper, Selbst,Gefühle) der Patientin zu unterstützen, zu entwickelnund zu differenzieren;
die sozialen (Abgrenzung, Umgang mit Stress u.ä.) undpersönlichen (Entspannung, Ressourcen erschließen undnutzen u.ä.) Kompetenzen der Patienten zu stärken.

Therapie-Kontrolle und Qualitätssicherung

Der Erfolg der Therapie somatoformer Störungen wird laufend kontrolliert. An erster Stelle steht natürlich die Selbsteinschätzung der Patientin. Diese Ergebnisse werden qualifiziert und objektiviert, z.B. mit Instrumenten zur Veränderungsmessung (SOMS) und durch fortlaufende Beobachtung, Kontakte und Dokumentation.

Falls erforderlich werden katamnestische Untersuchungen durchgeführt.

Der Qualitätssicherung in der Mutter-Kind-Klinik Waldfrieden dienen die verbindlichen Qualitäts-Standards des Deutschen Müttergenesungswerkes. Im Rahmen der Qualitätssicherung werden die Patientinnen kontinuierlich befragt. Die Teilnahme an einem externen wissenschaftlichen Qualitätssicherungsprogramm und klinikübergreifende Kontakte, die der Supervision, der Fort- und Weiterbildung dienen, sind selbstverständlich.

Somatoforme Störungen

Patientinnen, die jahrelang über schmerzhafte Zustände klagen, ohne dass sich dafür eine somatische Ursache diagnostizieren lässt, sind in jeder allgemein- und fachärztlichen Praxis bekannt. Da ihre Beschwerden mit einem erheblichen subjektiven Leiden bzw. mit schwerwiegenden Beeinträchtigungen im sozialen, beruflichen oder familiären Lebensumfeld verbunden sind, können diese Frauen das Fehlen einer eindeutigen Diagnose oft nicht akzeptieren. Sie werden immer mehr zu „schwierigen Patientinnen“, deren Arztbesuche, Untersuchungen und Krankenhausaufenthalte sich häufen.

Der 1980 eingeführte Begriff der „somatoformen Störung“, dem heute das Kapitel F 45 des ICD-10 ( International Klassifikation der Krankheiten, WHO) entspricht, löst ältere Bezeichnungen wie „funktionelle Beschwerden“, „psychovegetatives Syndrom“, „larvierte Depression“, „vegetative Dystonie“ u.a. ab. Dies zu Recht, wenn die einschlägigen diagnostischen Kriterien (Dilling et al., 1994) angewandt werden und eine organische Grunder-krankung, die die körperlichen Symptome der Patientin vollständig erklärt, ausgeschlossen werden kann.

Die Einschätzung der Auftretenshäufigkeit somatoformer Störungen ist dadurch erschwert, dass eine körperliche Symptomatik nicht immer als somatoform erkannt wird. Zudem ist damit zu rechnen, dass Patientinnen mit somatoformen Symptomen auch alternative Heilmethoden (Homöopathie, fernöstliche Medizin u.ä.) wählen und so epidemiologisch nicht zuverlässig erfasst werden.

Die Prävalenz von Personen mit multiplem Somatisie-rungssyndrom (mindestens vier Symptome bei Männern und sechs bei Frauen) liegt in der Allgemeinbevölkerung bei 5 - 11 % (Rief / Hiller 1998). Frauen leiden deutlich häufiger an somatoformen Störungen als Männer; niedriges Bildungsniveau und niedriger sozialer Lebensstandard gehen ebenfalls häufig mit somatoformen Störungen einher (ebd.).

Die Art der körperlichen Beschwerden sowie die spezielle Kombination von Einzelsymptomen weist eine große Bandbreite auf. In der Regel treten somatoforme Störungen zusammen mit anderen psychischen Störungen auf. Am häufigsten sind sie komorbide mit depressiven Störungen, recht häufig auch mit Angststörungen kombiniert. Auch Persönlichkeitsstörungen sind bei Personen mit somatoformen Störungen nicht selten

Klinik Waldfrieden -Rehabilitation und Präventionfür Mütter und Kinder

Mütter sind von der gesellschaftlichen Benachteiligung, die für Frauen vielfach belegt ist, besonders betroffen: In der Regel für das Funktionieren von Beziehungen, für Kindererziehung und Haushalt verantwortlich gemacht, wird von ihnen oft erwartet, keine eigenen Ansprüche und Bedürfnisse zu äußern, sondern vor allem für die Familie, den Mann, die Kinder dazusein. Haben sie neben den Aufgaben in der Familie auch noch eine berufliche Rolle auszufüllen, sind sie in der Regel schlechteren Bedingungen ausgesetzt als Männer.

Zudem verlangte in den neuen Bundesländern die gesellschaftliche Ent-wicklung (“Wende”) gerade den Frauen erhebliche Anpassungsleistungen ab. Viele wurden nach Jahren beruflicher und wirtschaftlicher Eigenständigkeit arbeitslos.
Die dreifache Belastung durch Haushalt, Kinder und Beruf bzw. Arbeitslosigkeit erschöpft bei vielen Frauen die erreichbaren Bewältigungsressourcen. Oft kommen weitere Belastungen hinzu;
die Instabilität einer Partnerschaft, die Abwesenheit des Vaters, das Zerbrechen eines Familien-Systems. Auch die Versorgung eines pflegebedürftigen Angehörigen, eines behinderten oder chronisch kranken Kindes kann das Maß des Tragbaren übersteigen.

Die Rollenüberforderung führt in körperliche und seelische Probleme, die sich auf Dauer in einer gesundheitlichen Destabilisierung, in soma-tischen und / oder psychischen Beschwerden niederschlagen.

Auch Kinder sind heute spezifischen Belastungen ausgesetzt: Oft sind ihre Lebensräume nicht kindgerecht und die Wohnverhältnisse beengt. Umweltbelastungen nehmen zu; die kindlichen Abwehrkräfte sinken. Viele Kinder werden von überforderten Erwachsenen nicht ausrei-chend begleitet und angeleitet (Fehlernährung, Bewegungsarmut, Freizeitverhalten, Medienkonsum). Familiäre Konfliktsituationen, Familienzerfall und Trennungskrisen belasten Kinder oft schwer. Zudem setzen die gesellschaftlichen Ideale früh hohe Leistungsanforderungen (Anpassungsdruck im Kindergarten, SchulStress, Erfolgserwartungen der Eltern) und engen Kinder zusätzlich ein.

Diese Belastungen sind für viele Kinder kaum zu bewältigen; sie gehen mit seelischen und auch körperlichen Beschwerden einher, die therapeu-tische Unterstützung erfordern.

Klinik Waldfrieden
Werderstraße 36/37
15377 Buckow

Telefon 03 34 33-6 50
Telefax 03 34 33-6 52 13
e-Mail: Klinik.Waldfrieden@kur.org

Patientenaufnahme: Telefon 03 34 33-5 60 07
Träger: Kur + Reha GmbH des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Landesverband Baden-Württemberg

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